Beschäftigung für Menschen mit Demenz macht Sinn und steigert die Lebensqualität

Wissen & Ratgeber
Beschäftigung für Menschen mit Demenz macht Sinn und steigert die Lebensqualität
Hand schreibt mit Kugelschreiber auf Papier, daneben Notizbuch und eine Tasse Kaffee am Tisch

Das Wichtigste in Kürze

Warum wichtig? Sinnvolle Beschäftigung ist ein Grundbedürfnis: Sie schafft Erfolgserlebnisse, stärkt den Selbstwert und steigert die Lebensqualität der ganzen Familie.

Was hilft? Passende Spiele und Tätigkeiten wie Karten-, Würfel- oder Singspiele fördern Gedächtnis, Beweglichkeit und soziale Kontakte – angepasst an die jeweilige Person.

Wie unterstützen? Teilen Sie Tätigkeiten in einzelne Schritte auf, würdigen Sie das Bemühen statt Perfektion und lassen Sie Ihren Angehörigen möglichst viel selbst tun.

Warum Tätigkeit und Spiele die Lebensqualität steigern

Beschäftigung für Demenzkranke ist weit mehr als Zeitvertreib. Sinnvolle Tätigkeit und Spiele bei Demenz gehören zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen – unabhängig vom Krankheitsstadium. Anhand der Lebensgeschichte lassen sich passende Tätigkeiten finden, die Erfolgserlebnisse vermitteln und Motivation schaffen [1]. Davon profitieren nicht nur die betroffene Person selbst, sondern die ganze Familie.

6 Gründe, warum Spiele bei Demenz sinnvoll sind

  • Spiele sind wie kleine Aufgaben, die herausfordern. Wenn Sie sie an die jeweilige Person und Situation anpassen, gibt es auch Erfolge zu verbuchen.
  • Spiele sind Emotion. Menschen mit Demenz verlieren zwar so manche Fertigkeit, aber Gefühle bleiben bis zuletzt erhalten. Angst und Schmerz treten für den Moment in den Hintergrund, im Vordergrund stehen Spaß und Freude.
  • Spiele fördern soziale Aktivität. Wenn Sprache oder Orientierung verloren gehen, ziehen sich viele Menschen mit Demenz zurück. Ein Brett- oder Kartenspiel lädt zum Austausch mit anderen Personen ein und pflegt ein schönes Miteinander.
  • Spiele trainieren das Gedächtnis. Kognitive Stimulation gilt als eine der am besten erforschten, evidenzbasierten Methoden für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz und wird auch in der S3-Leitlinie „Demenzen“ empfohlen [5]. Wichtig ist, dass Sie Spielvariante und Tempo an die Fähigkeiten der erkrankten Person anpassen – größere Steine und Würfel oder weniger Karten beugen einer Überforderung vor. Computergestützte Übungen können ergänzend eine Rolle spielen, ihr Nutzen bei Menschen mit Demenz ist bislang aber wissenschaftlich nur begrenzt untersucht, siehe [4].
  • Spiele unterstützen die Beweglichkeit. Gerade ältere Menschen bewegen sich oft zu wenig – Sing- oder Puppenspiele sind gute Hilfsmittel, um die körperliche Aktivität anzuregen.
  • Spiele sind nützlich für die Anerkennung. Je positiver und ehrlicher Ihr Feedback über Spielverlauf oder Einhaltung der Spielregeln ausfällt, desto mehr Motivation und Freude verspüren Menschen mit Demenz.

Wie kann ich meinen erkrankten Angehörigen sinnvoll beschäftigen?

Eine sinnvolle Beschäftigung ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Anhand der Lebensgeschichte lassen sich unterschiedliche Tätigkeiten heranziehen. Dadurch bleiben nicht nur Fähigkeiten und Fertigkeiten länger erhalten – auch das Gefühl „gebraucht zu werden“ stärkt den Selbstwert der betroffenen Person.

Die Diagnose Demenz bringt einen erheblichen Aufwand in der Begleitung mit sich. Ähnlich wie die Geburt eines Kindes verändert die Erkrankung das bisherige Leben einer ganzen Familie.

Beschäftigung für Menschen mit Demenz bleibt ein wesentlicher Faktor auch bei fortgeschrittener Krankheit. Wer selbst schon einmal arbeitslos war, kennt das Gefühl, dass weit mehr als nur ein Job verloren geht: Motivation schwindet, man fühlt sich nutzlos und von der Gesellschaft isoliert. Ähnlich kann es Menschen mit Demenz ergehen, wenn ihnen keine Aufgabe mehr bleibt – auch für sie ist Arbeit und Tätigsein wichtig.

Sinnvolle Tätigkeit, dem Krankheitsverlauf angepasst, steigert das Wohlbefinden. Menschen mit Demenz können so aktiv am Leben teilnehmen und das Gefühl der Zugehörigkeit spüren. Sinnvolle Aktivitäten vermitteln Erfolgserlebnisse und sollten geduldig und auf Augenhöhe angeboten werden, ohne zu bevormunden [1].

In Gesprächen mit Angehörigen und Pflegekräften weise ich immer auf den Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ hin: erklären, vorzeigen und nur dort unterstützen, wo es wirklich nötig ist. Das tägliche Training von Fähigkeiten und Fertigkeiten kann den Krankheitsverlauf mitunter verlangsamen. Eine große Cochrane-Analyse von Bahar-Fuchs und Kolleg:innen (2019) bestätigt, dass kognitives Training bei leichter bis mittelschwerer Demenz Gedächtnis, Denkleistung und Alltagsfähigkeiten positiv beeinflussen kann.

Auch herausforderndes Verhalten wie Wandertrieb oder die permanente Suche nach verlegten Gegenständen können durch Beschäftigung vermindert werden: Beschäftigung wirkt gegen Unruhe und Unzufriedenheit, wenn Menschen mit Demenz regelmäßig Angebote erhalten, die ihnen Freude bereiten [3].

Warum macht Spielen bei Demenz Sinn? Kinder spielen sich ins Leben

Bereits ab einem Alter von wenigen Monaten beginnen Kinder, die Welt spielerisch zu entdecken. Zunächst erfahren sie sich selbst, dann die Welt um sich herum. Spielen bei Demenz macht Sinn – gerade dann, wenn Betroffene merken, dass sie im Alltag zunehmend auf Unterstützung angewiesen sind. Viele Menschen mit Demenz haben Freude am Spielen: Vertraute Spiele wie Kartenspiele, Würfelspiele oder Tastspiele lassen sich anpassen und wecken oft schöne Erinnerungen [2].

Wie fördert Beschäftigung die Kommunikation?

Sinnvolle Beschäftigung fördert die Kommunikation auf natürliche Art und Weise: Langeweile verschwindet, Entspannung und Wohlgefühl breiten sich aus, Gemeinschaft und damit Gesprächsstoff entstehen. Vielleicht sind die kommenden Feiertage eine gute Gelegenheit, alte Spiele oder vertraute Rituale wieder aufleben zu lassen.

Jeder Mensch ist einzigartig – es gibt keine allgemeingültige Tätigkeitsliste

Wenn Sie an frühere Erfahrungen und Gewohnheiten anknüpfen, finden Sie sicher eine geeignete Beschäftigung. Diese sollte sinnstiftend sein, damit die betroffene Person das Gefühl hat, noch gebraucht zu werden.

Nicht der Perfektionismus darf im Vordergrund stehen, sondern die Anerkennung der Leistung.

Nicht wichtig ist zum Beispiel:

  • ob das Besteck in der richtigen Reihenfolge auf dem Tisch liegt
  • ob die Karotten in gleichmäßige Stücke geschnitten sind
  • ob die Handtücher exakt zusammengelegt wurden

Es zählt das Bemühen und das Tun.

Sie können optimal unterstützen, indem Sie die Tätigkeit in Einzelschritte aufteilen und einzeln „abarbeiten“ lassen, zum Beispiel:

  • die Kartoffeln aus dem Keller holen
  • die Kartoffeln waschen
  • die Kartoffeln schälen
  • die Kartoffeln schneiden

Eine andere Form der Unterstützung ist das gemeinsame Tun wie Fegen, Gartenarbeit oder ein Spaziergang mit dem Hund. Beobachtungen aus therapeutisch genutzten Gärten zeigen, dass regelmäßige Aktivitäten im Grünen das psychische Befinden verbessern und Rastlosigkeit sowie agitiertes Verhalten bei Menschen mit Demenz verringern können [6].

Sie können das Selbstbewusstsein und die Freude Ihres erkrankten Angehörigen noch steigern, wenn Sie das Ergebnis anschließend würdigen:

  • ein fertiges Puzzle oder ein gemaltes Bild an die Wand hängen
  • gebastelte Einladungen an Freunde oder Verwandte verschicken
  • das zubereitete Essen gemeinsam genießen

Die Lebensqualität aller Beteiligten steigt, wenn für die erkrankte Person eine sinnvolle Tagesgestaltung gefunden wird. Dazu gehören Bewegung, Beschäftigung und auch Spielen. Mehr Anregungen dazu finden Sie in unserem Ratgeber Demenz für Angehörige und bei der Biografiearbeit bei Demenz.

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Die Spiele der FELiX Aktivierungswelt im Überblick

Kostenlos im Browser und ohne Anmeldung: Rätsel, Bilderspiele und Melodien für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und Betreuungspersonen. Gespielt wird per Klick oder Tipp, in drei Schwierigkeitsstufen (leicht, mittel, schwer) und zu 48 Themen aus vertrauten Lebensbereichen.

  • 1.484 Rätsel- und Wissensfragen
  • 212 Tierbilder
  • 606 Bildvergleiche
  • 7 Melodien

Rätsel- und Wissensfragen

Sechs Rätselarten sorgen für Abwechslung: Begriffe erraten, ergänzen, was zusammengehört, bekannte Sprichwörter vervollständigen, Erinnerungswissen, Berufe erkennen sowie Jahreszeiten und Brauchtum. Kleine Hinweise helfen beim Lösen. Geantwortet wird mit einem Tipp auf eine von drei Möglichkeiten – ganz ohne Tippen von Text.

  • Welcher Begriff ist gesucht?
  • Was gehört dazu?
  • Sprichwort ergänzen
  • Erinnerungswissen
  • Beruf erkennen
  • Jahreszeit & Brauchtum
Beispielaufgabe · Thema: Alltag & Haushalt · Schwierigkeit: leicht

Welcher Begriff ist gesucht?

Hinweise: Er hat einen langen Stiel. · Mit ihm kehrt man den Fußboden. · Unten hat er Borsten.

  • Polster
  • Besen
  • Kochtopf
Lösung anzeigen

Besen – Richtig, mit einem Besen kehrt man den Fußboden.

Rätsel- und Wissensfragen spielen

Tier erkennen

Ein großes, klares Tierbild – von Haustieren über Bauernhof- und Waldtiere bis zu Vögeln, Wassertieren und exotischen Tieren. Aus drei Namen wird der richtige gewählt. Das weckt Erinnerungen an Bauernhof, Garten, Zoo und Ausflüge.

Beispielaufgabe · Thema: Tiere · Schwierigkeit: leicht
Beispiel aus „Tier erkennen“: Foto eines Tieres

Welches Tier sehen Sie?

  • Hund
  • Ente
  • Kuh
Lösung anzeigen

Kuh – Richtig, das ist eine Kuh – ein vertrautes Tier vom Bauernhof.

Tier erkennen spielen

Bildvergleich – Unterschiede finden

Zwei fast gleiche Bilder aus vertrauten Alltagsszenen stehen nebeneinander. Wer einen Unterschied entdeckt, tippt ihn einfach im rechten Bild an. Großzügige Trefferflächen machen das Suchen auch bei unsicherer Feinmotorik angenehm, eine Übungsrunde erklärt das Spiel in Ruhe.

Beispielaufgabe · Thema: Essen & Trinken · Schwierigkeit: leicht
Bildvergleich zum Thema Essen & Trinken: zwei fast gleiche Bilder nebeneinander, in denen Unterschiede gesucht werden

Finden Sie die 3 Unterschiede?

Unterschiede anzeigen
  • In einem Bild steht neben der Kaffeekanne ein Milchkännchen, im anderen fehlt es.
  • Auf einem Bild liegen drei Semmeln im Brotkorb, auf dem anderen vier.
  • In einem Bild hat das Marmeladenglas einen roten Deckel, im anderen einen grünen Deckel.

Bildvergleich – Unterschiede finden spielen

Melodie erkennen

Bekannte Melodien aus Klassik und Volkslied erklingen – etwa von Beethoven oder aus vertrauten Kinderliedern. Welches Stück ist das? Musik kann Erinnerungen wecken und lädt zum Mitsummen und Erzählen ein.

Beispielaufgabe · Thema: Musik Volkslieder · Schwierigkeit: leicht

Welches Stück hören Sie hier?

  • Alle meine Entchen
  • Backe, backe Kuchen
  • Fuchs, du hast die Gans gestohlen
  • Häschen in der Grube
Lösung anzeigen

Alle meine Entchen

Melodie erkennen spielen

Die Spiele sollen Freude machen und anregen. Sie sind kein Test: Es gibt keine Zeitvorgabe, keine Punkte und keine Auswertung.


Schmetterling

Fotos © Walter Stix

Quellen

  1. Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at): „Leben mit Demenz – Tipps für den Alltag bei Demenz“
  2. Alzheimer Schweiz: „Aktiv im Alltag“
  3. AOK: „Demenz und Aggression: Wie Pflegende damit umgehen können“
  4. Gates, N. J. et al. (2019): „Computergestütztes kognitives Training zur Aufrechterhaltung der kognitiven Funktion bei kognitiv gesunden Menschen im Spätalter“, Cochrane Library
  5. Kompetenz statt Demenz: „Kognitive Stimulationstherapie: Wenn das Gehirn lernt, sich neu zu organisieren“
  6. Carstens-Stiftung: „Gartentherapie lässt Demenzpatienten aufblühen“
Fragen & Antworten

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