
Das Wichtigste in Kürze
Warum sagt er das? Meist meint der Mensch mit Demenz nicht einen bestimmten Ort, sondern sehnt sich nach Geborgenheit und einem vertrauten Gefühl von früher.
Was steckt dahinter? Oft vermisst die Person ihr altes, selbstständiges Leben, eine sinnvolle Aufgabe oder Nähe und Aufmerksamkeit wie in der Kindheit.
Was hilft? Verständnis zeigen und mit ehrlichem Interesse die Ursache erfragen – etwa durch Einbindung in den Alltag oder ein vertrautes Gefühl von Geborgenheit.
Demenzkranke sagen oft: „Ich will nach Hause“ – und bringen damit die Angehörigen sehr oft zur Verzweiflung:
Denn aus dieser einfachen Aussage kann eine handfeste Diskussion entstehen, die meist zu einer unbefriedigenden Lösung auf beiden Seiten führt. Meist steckt dahinter nicht der Wunsch, tatsächlich an einen bestimmten Ort zurückzukehren, sondern die Sehnsucht nach Geborgenheit und einem vertrauten Gefühl von früher.
Wir alle haben Bedürfnisse, die wir durch unsere Worte und Taten mehr oder minder befriedigen können. Auch Menschen mit Demenz haben dies, nur wird ihnen das oft aberkannt, weil wir nicht gelernt haben, uns in deren Schuhe zu versetzen.
Ich will nach Hause: Diesen Satz kann ich schon nicht mehr hören, sagt eine aufgebrachte Angehörige zu mir am Telefon. Ihr Vater wohnt schon seit Jahren in dieser Wohnung und auf einmal fühlt er sich nicht mehr wohl und möchte einfach weg. Wobei sich Frau W. das nicht erklären kann, denn ihr Elternhaus steht in Deutschland und da war er schon seit seiner Jugend nicht mehr.
„Ich will nach Hause“ höre ich immer wieder aus dem Aufenthaltsraum der Pflegeheime, wenn ich dort Klienten besuche. Wenn die Person dann sehr fordernd, schreiend oder weinerlich wird, hört man dann eine Antwort wie: „Morgen kannst du gehen, heute ist es schon zu spät, es fährt kein Bus mehr.“
Wie kann man nun Abhilfe schaffen, damit diese Verhaltensauffälligkeit, die im Krankheitsverlauf einer Demenz sehr oft vorkommt, nicht in einem Konflikt endet?
Zunächst ist es wichtig, sich in den anderen hineinzuversetzen und sich zu fragen:
- Was steckt hinter dieser Aussage?
- Was will diese Person damit ausdrücken?
- In welcher Situation wird dieser Satz ausgesprochen?
- Weshalb versucht der Mensch mit Demenz zu flüchten?
Was bedeutet „Ich will nach Hause“ sehr oft?
Ich möchte in mein altes Leben zurück, in eine Zeit, in der ich noch selbstständig war und nicht für viele Dinge Unterstützung gebraucht habe. Ich möchte in eine Zeit zurück, in der ich meine Wünsche und Bedürfnisse einfach aussprechen konnte und nicht wie heute gegen meinen Willen irgendwelche – für mich oft unverständliche – Handlungen über mich ergehen lassen musste.
In Pflegeheimen kann der Satz „Ich will nach Hause“ bedeuten:
- Ich vermisse die Geborgenheit und Aufmerksamkeit. Oft sehnen sich diese Menschen in ihre Kindheit zurück, wo die Fürsorge der Eltern ihnen Sicherheit gegeben hat.
- Zu einer befriedigenden Lösung kann man gelangen, wenn man einfach Verständnis für die aktuelle Situation zeigt und dann mit ehrlichem Interesse versucht, die Ursache für dieses Verhalten herauszufinden.
Beispiel 1:
Die Tochter hat auf diese Weise herausgefunden, dass ihr Vater sich nutzlos fühlt, weil er keine sinnvolle Beschäftigung hat. Der Vater hat mit diesem „Ich will nach Hause“ ausgedrückt, dass er seinen Beruf vermisst. Frau W. hat ihren Vater dann in das Alltagsleben eingebunden und so zum Wohlbefinden für beide Seiten beigetragen.
Beispiel 2:
In einem Pflegeheim konnte ich einmal weiterhelfen, indem ich der Klientin eine Puppe mitbrachte, die ihr Geborgenheit gab und ihr das Gefühl der Einsamkeit genommen hat.
Resümee „Ich will nach Hause“: So einzigartig wie die Menschen sind, so individuell kann das Bedürfnis sein, welches mit diesem Satz ausgedrückt wird.
Reden wir über Ihren konkreten Fall.
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Diese Frage entsteht oft aus einem Gefühl von Unsicherheit oder Sehnsucht nach einem vertrauten, meist früheren Lebensabschnitt, nicht zwingend nach dem aktuellen Wohnort. Statt einer sachlichen Korrektur kann es hilfreicher sein, nach den Gefühlen hinter der Frage zu fragen. Ablenkung durch eine vertraute Aktivität kann die Anspannung oft lindern.
Dieses Verhalten drückt oft eine Sehnsucht nach einem Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit aus, nicht unbedingt nach einem konkreten Ort. Widersprechen Sie nicht direkt, sondern fragen Sie einfühlsam nach, was zu Hause für die Person bedeutet. Ablenkung durch eine vertraute Aktivität kann die Anspannung oft lindern. Wiederholte sachliche Erklärungen führen meist eher zu erneuter Verwirrung.
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