Tinker: Steckbrief, Charakter, Preis und Krankheiten

von Petra· aktualisiert am 17. September 2026
Tinker (Pferderasse)
Inhalt
  1. Das äußere an diesem Pferd: Behang trifft Schecke
  2. Ist der Tinker ein ideales Freizeitpferd?
  3. Warum Tinker toll sind – das sagt die Züchterin
  4. Die wichtigsten Facts zur rasse der Tinker – Expertise von der Züchterin
  5. Tinker kaufen?
  6. Was kostet ein Tinker?
  7. FAQ - Häufige Fragen zum Tinker

Tinker Pferd

Sie sind gescheckt, haben Puschelfüße und eine Vielzahl von Namen: Bei uns kennt man dieses Pferd schlicht unter Tinker oder Irish Tinker, in England heißen sie Cob, Gypsy Cob, Gypsy Pferd oder Irish Cob und in den USA Gypsy Vanner. Das Besondere an diesem kompakten Pferdetyp: Er entstand aus der Kreuzung verschiedenster Rassen und heute sind die Tinkerpuschel beliebte Pferde für Freizeitreiter. Im Artikel sprechen wir unter anderem darüber, was ihren Körperbau so typisch macht, wieviel ein Tinker kostet, wie ihr typisches Wesen ist und warum sie so beliebt sind.

Der Tinker ist eine Pferderasse aus Irland und Großbritannien mit einem Stockmaß von 135 bis 160 Zentimetern, meist gescheckt, kompakt gebaut und mit viel Behang an den Beinen. Entstanden ist er als Zugpferd, heute lebt er fast überall als Freizeitpferd. Aber die Herkunft ist wichtig zu wissen für das feine und richtige Training der Tinker als Reotpferde, die ja eigentlich für die Kutsche gezüchtet wurden.

Tinker Steckbrief (die wichtigsten Fakten auf einen Blick): Was macht die Rasse aus?

Tinker erkennst du in der Regel auf den ersten Blick: Sie sind nicht zu groß, meistens gescheckt, haben Puschelfüße und einen runden Herzhintern. Die Kleinpferde aus Irland wurden früher vom fahrenden Volk als Zugpferde für ihre Wagen gezüchtet.

© Pferdeflüsterei

In den 90er Jahren kamen sie auf dem europäischen Festland in Mode und sind deswegen heute beliebte und brave Freizeitpferde. Leider kommen sie immer wieder auch aus grossen Zuchtbetrieben, in denen sie nicht immer optimal behandelt wurden, bevor sie dann nach Deutschland und andere Länder verschifft werden.

Das muss man wissen, wenn man einen Tinker kauft - nicht alle stammen aus einer liebevollen kleinen Zucht mit optimalen Aufzuchtbedingungen. Das ist kein Beinbruch, weil du mit Liebe, Geduld und feiner Kommunikation alles auflösen kannst. Aber du solltest immer schauen, wie die Herkunft deines Tinkers ist, weil das die ersten gemeinsame Monate beeinflussen kann, falls er vorher schlechte Erfahrungen gemacht haben sollte.

Der Tinker ist ein kompaktes, meist geschecktes Pferd aus Irland und Großbritannien, das als Zugpferd entstanden ist und heute vor allem als Freizeitpferd lebt. Genau da liegt aber auch das große Missverständnis, weil sein kräftiger Körper eine Tragfähigkeit verspricht, die sein Rücken so nicht einlösen kann. Ein Tinker trägt nicht automatisch jedes Gewicht und er braucht Gymnastizierung, damit er gesund bleibt.

Dazu kommt seine Genügsamkeit: Er wurde auf kargem Boden gezüchtet und reagiert auf unsere fetten Weiden und zuckerreiches Futter schneller empfindlich, als die meisten denken. Und dann ist da dieses Feine hinter dem wuscheligen Äußeren, weil Tinker viel Nähe zum Menschen suchen und Druck schlecht wegstecken.

Gib ihm Haltung in der Herde, wenig Zucker und ehrliches Training. Dann bekommst du einen der ausgeglichensten Partner, die die Pferdewelt zu bieten hat. Kurz gesagt: robust im Körperbau, sensibel im Wesen und deswegen keine Rasse, die man einfach nebenbei mitlaufen lassen kann.

Was aber vor allem gilt: Der Tinker ist einfach nur ein supersüßes charaktervolles und tolles Schecken Pferd.

Tinker können die perfekten Familienpferde sein – geduldig, freundlich und sensibel.

Ist der Tinker Kaltblut, Warmblut oder Pony?

Tinker haben ein bisschen was von allem. Dabei sind sie zuckersüß mit ihrer haarigen Schnute, haben eine wunderschöne Mähne und ihren wuscheligen Behang. Dafür sind sie unter anderem berühmt. Tinker sind eigentlich immer gescheckt, gelten als freundliche und geduldige Familienpferde und machen ihren Besitzern in aller Regel sehr viel Freude.

Der Tinker ist eine Mischung aus Pony, Warm- und Kaltblut mit ganz viel Schecken Faktor.

Tinker Pferd

Das äußere an diesem Pferd: Behang trifft Schecke

Drei charakteristische Merkmale der Tinker

Die sogenannte Feather, der Behang an den Beinen, bedeckt traditionell nicht nur den Huf, sondern ab dem Sprung- beziehungsweise Karpal-Gelenk das gesamte untere Bein. In dieser Ausprägung sind sie aber nur noch bei den wirklich alten Linien zu finden.

Der typische Körperbau der Tinker

Der quadratische Körperbau und die kräftigen Gelenke und Knochen der Schecken zeugen von den Ursprüngen des Tinkers als Arbeits- und Zugpferd. Dabei lässt er sich auch sehr gut Reiten. Er hat einen kompakten, muskulösen Körper mit einem recht großen Kopf, der auch mal eine Ramsnase sein kann – auch wenn die Zucht heute gerade Profile bevorzugt. Ursprünglich mochte man wohl diese Ramsnase. Generell soll der Kopf heute aber etwas feiner geformt sein als der eines typischen Kaltbluts.

Ein Tinker hat große, klare Augen und eine breite Stirn. Der Hals darf kompakt, aber nicht zu kurz sein. Auch kräftige Schultern mit einer Neigung zwischen 35 und 60 Grad und eine breite wie tiefe Brust gehören zum Rassemerkmal. Die Bauchlinie soll dabei doppelt so lang sein wie die Rückenlinie. Die Zucht will einen insgesamt kurzen, geraden Rücken mit wenig Widerrist, der in einer breiten, muskulösen und gespaltenen Kruppe, dem Herzhintern, endet. Zu steil darf sie aber nicht abfallen.

Tinker Pferd

Die Hufe sind groß, mit breitem Strahl und starken Wänden. Die Gelenke der Vorderbeine sind sauber und gut gewinkelt, die Fesseln haben die gleichen Winkel wie die Schulter und dürfen nicht zu kurz sein. Die Hinterhand ist steiler gewinkelt als die Vorderbeine und ist nach außen geneigt, was bei anderen Rassen als Stellungsfehler gilt.

Charakteristisch für den Tinker ist sein dichtes Fell, sein üppiger Behang, eine volle Mähne und viel Schweif. Gerade die Feather, das Langhaar an den Beinen, wies die Tinker als Pferde der Traveller aus – es war Merkmal und Schmuck zugleich, der mit Stolz gepflegt und vorgezeigt wurde. Viele Tinker haben zudem einen Schnurrbart auf der Oberlippe.

Sind Tinker immer nur Schecken?

Tinker oder auch Irish Cobs sind in der Regel Plattenschecken, haben also eine große, zusammenhängende Fellzeichnung. Die sogenannten Piebalds (Schwarzschecken) kommen besonders häufig vor. Auch kleine Pünktchen und Flecken im Fell (Inkspots) sind erlaubt. Es gibt Tinker aber auch als Rappen, Braune, Füchse und Palominos, die dann oft weiße Abzeichen an Kopf und Beinen besitzen. Weiße Flecken am Bauch nennt man „splashed“.

Egal wie ein Irish Cob Horse a.k.a. Tinker aussehen, egal ob ursprünglich oder moderner in der Zucht, Reiten und Kuscheln lassen sich alle.

Der Tinker verfügt über geschmeidige und kraftvolle Gangarten mit gutem Antrieb aus der Hinterhand. Er läut raumgreifend und ausdauernd und besitzt ein ordentliches Galopp- und Springvermögen.

Der Charakter des Irish Cob Horse a.k.a. Tinker

Tinker gelten als sehr ausgeglichen, menschenfreundlich und lieb. Sie sind intelligent, neugierig und gelassen. Deswegen eignen sie sich als Partner für Kinder und Freizeitreiter oder als Therapiepferde, da sie sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen.

Zwar wurde der Tinker nicht nach Zuchtbüchern gezüchtet. Dennoch hat sich ein besonderer Charakter herausgebildet: Er ist gutmütig, unerschrocken und zuverlässig, besitzt ein gemäßigtes Temperament und gute Nerven. Aber lasse dich nicht täuschen: Auch wenn der Körper robust wirkt: Tinker sind sensible Wesen, die eine enge Bindung zum Menschen wollen und sich gern anschließen und zusammen arbeiten. Wenn sie anderer Meinung sind, können Tinker manchmal durchaus stur sein, aber niemals aggressiv.

Sind Tinker Kaltblüter oder Ponys?

Tinker sind keine Kaltblüter. Sie tragen Kaltblutanteile in sich, weil Rassen wie Shire Horse und Clydesdale eingekreuzt wurden, gezüchtet wurden sie aber als eigener Typ aus vielen Linien. Offiziell laufen sie als Kleinpferd beziehungsweise Pony, und trotzdem passt keine dieser Schubladen richtig, weil du bei Tinkern vom quadratischen Ponytyp bis zum massigen Irish Cob alles findest.

Der zweite Mythos hält sich noch hartnäckiger: Ein breiter Brustkorb heißt nicht, dass da viel Gewicht drauf darf. Die besserwissenden Stimmen an der Bande sagen gern, so ein kräftiges Pferd trage schon jeden. Der Rücken eines Tinkers ist oft weich und wenig tragfähig und braucht Training, bevor er überhaupt tragen kann.

Ist der Tinker ein ideales Freizeitpferd?

Am besten eignet sich der Tinker als Kutschpferd, er macht aber auch dem Freizeit- oder Western- und Geländereiter Freude. Dressurarbeit und kleine Sprünge sind ebenfalls möglich – allerdings immer in Übereinstimmung mit den körperlichen Voraussetzungen. Denn Tinker wurden als Zugpferde gezüchtet: Ihr Gebäude macht sie nicht zum optimalen Reitpferd.

Die Rücken sind oft weich, nicht stabil bemuskelt und nicht sehr tragfähig. Die Versammlung fällt ihnen unter anderem wegen der hohen Aufrichtung von Kopf und Hals schwer. Tinker sind also trotz ihrer robusten Optik keine Gewichtsträger.

Wer einen Tinker kauft, muss ihn ordentlich gymnastizieren, um seine Tragfähigkeit zu stärken und ihn gesund zu erhalten. Nichstdestotrotz macht ihr ausgeglichenes, freundliches Wesen die Pferde zu angenehmen Begleitern.

Warum brauchen viele Tinker erst einmal Grunderziehung?

Viele Tinker kommen aus Irland oder England über Märkte und Händler nach Deutschland und haben vorher kaum etwas vom Menschen gelernt. Sie sind nett, sie sind gutmütig, aber sie kennen weder Putzen noch Hufe geben noch ruhiges Anbinden. Das führt zu Frust auf beiden Seiten, weil der Mensch einen braven Anfängerliebling erwartet und ein Pferd bekommt, das schlicht nicht weiß, was es tun soll.

Ein Tinker ist nicht stur, wenn er bremst, sondern meistens überfordert oder unsicher. Deswegen lohnt es sich, bei importierten Pferden ganz unten anzufangen und die Basis in kleinen Schritten aufzubauen, weil daraus Sicherheit statt Gehorsam entsteht.

Kurz gesagt: Frag beim Kauf lieber einmal zu viel, was dein Pferd schon kennt. Schön wären folgende Punkte:

Die richtige Fütterung und Haltung beim Tinker

Vorsicht bei zu viel Kalorien! Tinker brauchen beim Futter kalorienarme Kost. Dazu gleich mehr. Lass uns vorher kurz über die passende Haltung reden. Tinker fühlen sich in der Herde besonders wohl, da sie ein ausgeprägtes Sozialverhalten besitzen. Deswegen bietet sich eine Herden- und Offenstallhaltung für diese Rasse an.

Wichtig zu wissen: Tinker sind robust und leichtfuttrig.

Ihre Zucht mit dem Ziel ein genügsames Arbeitspferd hervorzubringen, war so ausgerichtet, dass die Tiere trotz kargem Futter viel leisten konnten. Unser Gras auf deutschen Weiden ist deswegen oft zu gehaltvoll für die genügsamen Iren.

Dann wird reines Gras fast schon zu Kraftfutter. Weil Tinker einen sensiblen Stoffwechsel haben, können sie auf Kohlenhydrate wie Stärke und Zucker, wie sie in Getreide und Müslis reichlich vorhanden sind, empfindlich reagieren. Übermäßig Saftfutter und Trester gehören definitiv nicht auf den Speiseplan, auch synthetische Futterzusätze können den Tinker krank machen. Getreide kann Mauke auslösen - gerade mit dem dichten Behang an den Fesseln.

Welches Mineralfutter braucht ein Tinker?

Die Basis für jeden Tinker ist gutes, zuckerarmes Heu in ausreichender Menge, dazu ein hochwertiges Mineralfutter ohne Getreide und Zusatzstoffe. Genau das brauchen leichtfuttrige Pferde, weil ihr Heu allein die Versorgung mit Spurenelementen selten deckt, ein Müsli oder Kraftfutter aber schnell zu viel Stärke und Zucker bringt.

Schau beim Etikett vor allem auf Zink, Kupfer, Selen, Magnesium und Vitamin E und darauf, wie wenig Füllstoff drin ist. Finger weg von allem, was süß riecht und in großen Mengen gefüttert werden soll, denn davon profitiert höchstens der Hersteller und nicht dein Tinker.

Wenn du eine kostenlose Futterberatung willst, dann melde dich gerne HIER bei mir.

Typische Krankheiten: Mauke und Stoffwechselprobleme

Wegen ihres starken Behangs können Tinker eine Neigung zur Mauke entwickeln. In aller Regel entstehen diese Themen aber erst bei falscher Haltung und / oder Fütterung. Vorbeugen kann man mit einer regelmäßigen Pflege des Langhaars und mit der Optimierung der Haltung: Matschpaddocks und Bodennässe sind im Winter fast schon eine Garantie, dass die fiese Hautkrankheit zuschlägt. Um das zu verhindern, sollten Tinker sauber und trocken und auf keinen Fall in ihren eigenen Äppeln stehen.

Hinzu kommen klassische Haltungsfehler: Zu wenig Bewegung in Kombination mit zu viel nahrhaftem Futter machen Tinker krank – Stoffwechselprobleme entwickeln sich und bringen das gesamte körperliche Gleichgewicht durcheinander. Eine genetische Veranlagung haben Tinker für das sogenannte chronisch progressive Lymphödem, das wie Mauke in den Fesselbeugen auftritt.

Welche Krankheiten treten beim Tinker häufig auf?

Mauke und CPL sind die bekanntesten Themen, aber sie sind nicht die einzigen. Die meisten Beschwerden beim Tinker haben eine gemeinsame Wurzel, nämlich zu viel Energie im Futter und zu wenig Bewegung.

Tinker sind robust gebaut, aber nicht unempfindlich. Wer sie behandelt wie ein Pferd, das schon irgendwie zurechtkommt, bekommt genau diese Baustellen, weil der Körper irgendwann ein Ventil sucht. Trockene Beine, zuckerarmes Futter, viel Bewegung in der Herde und ein wacher Blick auf Haut und Hufe bringen dich weiter als jedes Spezialmittel.

Tinker Pferd

Ursprung und Zucht

Tinker waren die Arbeitspferde des fahrenden Volks, der Traveller, in Irland. Das Wort „Tinker“ bedeutet Kesselflicker und hat eine abwertende Bedeutung. Deswegen wird der Namen in englischsprachigen Ländern nicht benutzt. Gescheckte Pferde galten im Mittelalter und der Neuzeit als nicht edel: Entsprechend leicht gelangten Händler und fahrendes Volk in den Besitz der bunten Vierbeiner.

Die Kesselflicker verdienten ihr Geld, indem sie durch die Gegend reisten und Altmetall einsammelten. Die Pferde zogen die schweren Wägen über lange Zeit und verrichteten harte Arbeit. Entsprechend robust und kräftig mussten sie sein.

In Deutschland waren Tinker sogar lange keine eigene Rasse. Sie wurden als Rassetyp in unterschiedlichen Zuchtbüchern geführt. Erst seit 2005 gilt ein einheitlicher Rassestandard. Neben Holland führt Deutschland nun ein Ursprungszuchtbuch

Tinker Lisa Schrankenschneiderhof

Warum Tinker toll sind – das sagt die Züchterin

Man sagt immer: „Man kann sich keinen Tinker aussuchen, denn der Tinker sucht sich seinen Menschen selbst aus.” So war das vor 20 Jahren auch bei uns, denn unsere erste Tinkerstute „Snow” hat sich uns ausgesucht, als wir eigentlich kein Pferd kaufen wollten.

Die Tinker sind so vielseitig und vielfältig, sie sind gelassen und doch sensibel, sie sind liebevoll und motiviert. Das perfekte Paket für ein Freizeitpferd.

Tinker sind für anspruchsvolle Freizeitreiter, die mit ihrem Pferd eine innige Beziehung aufbauen, entspannen und gleichzeitig einen ehrlichen Partner für reiterliche Ziele möchten.

Die wichtigsten Facts zur rasse der Tinker – Expertise von der Züchterin

Tinker sind supersüß, flauschig und haben einfach knuffige Nasen. Aber sie können natürlich noch viel mehr. Was liegt also näher als eine Züchterin zu dieser Rasse zu befragen. Gerade die feinen und pferdebewussten Züchter kennen „ihre” Rasse in- und auswendig. Deswegen freuen wir uns sehr, dass sich Andrea und Lisa vom Schrankenschneiderhof die Zeit genommen haben und uns alle Tinkerfragen beantwortet haben.

Pferdeflüsterei.de: Ihr züchtet die süßen Pferde sicher ganz bewusst – warum schlägt euer Herz gerade für die Tinker?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Man sagt immer: „Man kann sich keinen Tinker aussuchen, denn der Tinker sucht sich seinen Menschen selbst aus.” So war das vor 20 Jahren auch bei uns, denn unsere erste Tinkerstute „Snow” hat sich uns ausgesucht, als wir eigentlich kein Pferd kaufen wollten.

Sie hat uns gezeigt, wie toll diese Rasse ist und so sind wir ihr verfallen. Die Tinker sind so vielseitig und vielfältig, sie sind gelassen und doch sensibel, sie sind liebevoll und motiviert. Das perfekte Paket für ein Freizeitpferd.

Tinker Pferd

Typische Tinkerfacts – Von der Persönlichkeit bis zur richtigen „Reitweise“

Pferdeflüsterei.de: Wie steht es um typische (gewünschte) Charaktermerkmale / Pferdepersönlichkeit? Was macht eine gute oder typische Tinkerpersönlichkeit aus?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Hier stößt man vermutlich auf die meisten Vorurteile gegenüber den Tinkern. Leider gibt es davon sehr viele. Beispielsweise, sie wären faul, stur oder gar Anfängerpferde. Das ist alles nicht korrekt, denn generell kann man keine Pferderasse so über einen Kamm scheren aber vor allem nicht die so vielseitige Rasse Tinker. Welche Charaktereigenschaften man sich jedoch beim Tinker wünscht, sind Gelassenheit, Menschenbezogenheit, Intelligenz, Motivation und innere Ruhe.

Pferdeflüsterei.de: Man kennt die Tinker ja als Schecken, aber gibt es noch andere typische Fellfarben?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Diese Ansichtsweise ist inzwischen schon ziemlich veraltet. Früher als Zigeunerpferde sollten die Tinker einfach nur unverwechselbar aussehen und in der Natur auffallen. Dafür waren Schecken natürlich praktischer als andere. Durch die vielen eingekreuzten Rassen sind aber bei Tinkern alle Fellfarben vertreten, die man sich vorstellen kann. Von schlicht, einfarbig über Creme und Silver Gen,Tigerschecken und Schimmel bis zum Plattenschecken ist alles dabei! Lediglich Albinos sind nicht erwünscht.

Pferdeflüsterei.de: Wofür kann man die Tinker besonders gut „einsetzen“? Kutsche? Reiten?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof):  Dazu sollte man sich die Frage stellen, welche Entstehungsgeschichte die Rasse hat. Der Tinker wurde speziell als Kutschpferd gezüchtet. Sie mussten verlässlich das gesamte Hab und Gut der Zigeuner von A nach B kutschieren, wobei sie lange Strecken hatten aber keine Sprints. Daher sind die Tinker oft vor der Kutsche sehr glücklich und geeignet für gemütliche Schritt- und Trabausdauerstrecken.

Man kann mit dem richtigen Training aber auch reiterlich sehr viel Spaß und Erfolge mit ihnen erreichen. Je nach dem, welches Blut der Vorfahren-Rassen überwiegend vorhanden ist, äußert es sich in den Ressourcen des einzelnen Pferdes. Wir haben beispielsweise auch spritzige, übermotivierte Pferde, die zum Reiten anspruchsvoll sind aber richtig Spaß machen. Genauso sind da welche, die eher bei ruhigen Lektionen oder Zirkustricks ihre Leidenschaft ans Licht bringen oder Ponys, die das Springen lieben. Man sieht immer wieder, wie vielfältig die Rasse ist.

Stopp! Nicht weiterscrollen: Eine Wichtige Info für dich, bevor du dir alle Infos holst

Tinker Pferde – für wen sind sie besonders geeignet

Pferdeflüsterei.de: Für wen oder was ist diese Rasse vielleicht besonders geeignet? Araber sind ja zum Beispiel in der Regel tolle Distanzpferde oder Warmblüter gute Dressurpferde.

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Wir würden sagen, für anspruchsvolle Freizeitreiter, die mit ihrem Pferd eine innige Beziehung aufbauen, entspannen und gleichzeitig einen ehrlichen Partner für reiterliche Ziele möchten. Durch die Vielfältigkeit der Rasse ist eigentlich für jeden etwas dabei.

Pferdeflüsterei.de: Gibt es verschiedene „Unterrassen” und wenn ja, was unterscheidet sie voneinander?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Die Rasse hat ja leider je nach Zuchtverband und Land schon unterschiedliche Bezeichnungen, welche minimal andere Zuchtziele oder -durchschnitte haben. Die Gypsy Vanners in Amerika sind groß und mit viel Kaltblut-Einschlag. Die Gypsy Cobs in England sind eher ein kleiner und quadratischer Ponytyp.

Die eigentlich ursprünglichen Irish Cobs aus Irland haben eine Mittelgröße und viel Masse. Die Deutschen haben der Rasse den Namen „Tinker” gegeben und vermutlich ist hier ein sehr weites Spektrum der Rasse vertreten. Hier sind sie aber in erster Linie Reitpferde, wofür eine gewisse Größe und Rittigkeit benötigt wird.

Tinker und Mauke?

Pferdeflüsterei.de: Stichwort „Gesundheit”: Gibt es typische „Krankheiten”, die sich bei dieser Rasse immer wieder finden? Oder sind sie eher robust und gesund? Und was ist denn mit Mauke und Co? Ist das Rassetypisch oder eher ein Problem falscher Haltung und Fütterung? Denn ich kenne einige Tinker mit Maukethemen…

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Jeder bringt Tinker mit Mauke in Verbindung. Leider aber auch zurecht. Die Frage ist hier aber: Warum haben so viele Tinker Mauke? Unserer Meinung nach aus dem Grund, dass jeder denkt, sie seien robust und brauchen nicht so viel Hygiene oder Gesundheitsvorsorge. Was dann geschieht, ist jedem klar. Das System sucht sich ein Ventil, über das all die schlechten Stoffe aus dem Pferd raus kommen, also als erstes an den Beinen. Und das kann alle denkbaren Ursachen haben: Schlechte Hygiene, Verwurmung, Vergiftung, Inzucht, Fehler in der Aufzucht.

Also ja, die Tinker sind robust, aber nicht so, wie es die meisten interpretieren. Sie brauchen die selbe Versorgung und Haltung wie jedes andere Pferd, beziehungsweise noch weniger Energie im Futter, da sie das aus Irland einfach nicht gewöhnt sind.

Pferdeflüsterei.de: Nehmen wir die Zucht: Wie wichtig sind denn die Blutlinien und worauf wird da bei der Zucht bei euch geachtet? Denn es gibt ja immer wieder typische Themen bei vielen Rassen..

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Wie bei jeder Rasse gibt es begehrte Blutlinien, klar! Aber wir hinterfragen gerne alles, also WARUM ist gerade diese Blutlinie beliebt? Höchst wahrscheinlich, weil viel Langhaar vorhanden ist. Das ist aber nicht alles, was einen Tinker in unserer Zucht ausmacht. Also woher will ich wissen, ob das Pferd rittig ist, wenn keiner der Vorfahren gearbeitet wurde?

Ein weiteres Problem des Themas Blutlinien beim Tinker ist, dass die Abstammung ganz häufig nicht registriert und nachgewiesen ist. Oft findet man selbst erstellte und nicht öffentlich zulässige Stammbäume, in die alles mögliche geschrieben sein kann. Da früher keine Papiere zu den ZigeunerPferden gemacht wurden und die Tinker somit noch eine sehr junge Rasse sind, kann man einfach noch nicht vieles vorhersagen, die Blutlinien sind noch zu „frisch”.

Pferdeflüsterei.de: Worauf achtet ihr bei eurer Zucht? Was zeichnet sie aus?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof):  Ich denke im Gegensatz zu anderen Züchtern in Europa zeichnet uns unsere Ehrlichkeit und Qualität am meisten aus. Wir achten sehr stark auf Gesundheit, was regelmäßige Wurmkurgabe, Impfungen, Hufbearbeitung, gutes Mineralfutter und eine artgerechte Aufzucht der Fohlen bedeutet.

Wir geben der Abstammung und somit der Gesundheit und Leistung der Elterntiere viel Gewicht in unserer Zucht. Außerdem sind ein korrekter Körperbau und somit gute Reit- oder Leistungseigenschaft ein wichtiger Teil bei uns. Nicht zu vergessen: Freundlicher, neugieriger Charakter! All das oben genannte nutzt dem „Endverbraucher” Freizeitreiter sehr wenig, wenn das Pferd keine Lust auf den Menschen hat. Deshalb finden wir es so wichtig, dass unsere Zuchtpferde überwiegend eine Leistungsprüfung beim Zuchtverband ablegen, um ihre Qualität hinterlegen zu können.

Haltungsbedingungen für den Tinker

Pferdeflüsterei.de: Gibt es besondere Haltungsbedingungen, die die Tinker brauchen? Spezielles Futter? Spezielle Haltung besonders erwünscht?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Wie schon bei der Gesundheit erwähnt, braucht der Tinker nichts spezielles. Ein gutes Mineralfutter, gutes Heu, wenig Zucker/Energie, genügend Bewegung und artgerechte, hygienische Haltung sind alles, was sie brauchen um glücklich und zufrieden zu sein.

Pferdeflüsterei.de: Wenn ihr diese Rasse in 3 Worten beschreiben dürftet – welche wären das

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof):Vielfältig, Haarig, Wunderbar.

Pferdeflüsterei.de: Wenn ihr all den Pferdemenschen da draussen etwas in Sachen Tinker mitgeben könntet – was wäre das?

Andrea und Lisa (Schrankenschneiderhof): Lasst eure Meinung nicht von Vorurteilen prägen, sondern legt eure Scheuklappen ab und nehmt euch Zeit, in die Seele des Pferdes zu blicken, die wahre Persönlichkeit des Tieres zu erkennen. Hinter einer robusten Fassade kann so viel mehr stecken als das, was man im ersten Moment zu sehen glaubt.

Nehmt euch die Zeit, euch über die Vergangenheit zu erkundigen und schenkt dem Geschehenen Aufmerksamkeit. Viele Probleme sitzen tief im Pferd, in dessen Vergangenheit oder sogar bei dessen Vorfahren. Hört auf euer Herz und lasst es auch dem Pferd zuhören – Kommunikation ist alles.

Tinker kaufen?

Traditionell werden Tinker in England (Appleby) und Irland (Ballinasloe) auf Märkten einmal im Jahr zum Verkauf angeboten. Da die Tiere in den letzten Jahren aber stark nach Europa exportiert wurden, gibt es auch in Deutschland Tinker, die den Rassemerkmalen entsprechen.

Manche irische Züchter reimportieren sogar auf dem Kontintent gezogene Tinker, um den eigenen Bedarf decken zu können. Nicht alle Tiere werden supernett behandelt auf den Auktionen und Transporten. Deswegen erkundige dich – wenn es geht – wo das Pferd herkommt und wie es ihm erging bis zum Kauf. Aber natürlich haben es auch gerade diese Pferde verdient, dass ihnen ein Mensch ein herzliches Zuhause gibt.

Deswegen macht es auch absolut Sinn bei den kleinen und feinen Züchtern in deiner Umgebung zu schauen, so dass dein Pferd einen schönen und sanften und pferdefreundlichen Start in sein Leben hatte. Oder du gibst einem Tinker ein schönes Pferdeleben, der vielleicht ein neues Zuhause sucht.

Es gibt immer wieder wunderschöne Tinker, die einen Herzensmenschen suchen, der sich um sie kümmern will und ihnen eine schöne Partnerschaft an seiner Seite ermöglichen will. Wichtig ist, dass du eine AKU machst, wie bei jedem anderen Pferd auch und dir das Pferd genau ansiehst, damit du das richtige Pferd für dich findest. Egal ob es ein Tinker oder eine andere Rasse ist.

Was kostet ein Tinker?

Für einen Tinker zahlst du je nach Alter, Ausbildung und Papieren meistens zwischen 3.000 und 12.000 Euro. Ganz junge, noch nicht angerittene Pferde und Fohlen liegen am unteren Ende, gut ausgebildete Reit- oder Fahrpferde mit nachgewiesener Abstammung im oberen Bereich. Nach oben ist die Spanne offen, weil besonders viel Langhaar, gekörte Hengste und gefragte Linien deutlich mehr kosten.

Auffällig günstige Angebote von Märkten und Transporten klingen verlockend, sind aber oft die teuersten Pferde deines Lebens. Bei diesen Tinkern weiß niemand, was sie erlebt haben, wie sie aufgezogen wurden und was gesundheitlich schlummert. Rechne außerdem von Anfang an mit den laufenden Kosten für Stall, Hufe, Tierarzt, Zahnarzt und Versicherung, weil die den Kaufpreis nach wenigen Jahren überholen. Wie du beim Kauf klug vorgehst und worauf du bei der Ankaufsuntersuchung achtest, liest du ausführlich im Artikel über den Pferdekauf.

Tinker Pferd

FAQ - Häufige Fragen zum Tinker

FAQ

Sind Tinker Kaltblüter?

Nein, Tinker sind keine Kaltblüter. Sie tragen Anteile von Kaltblutrassen wie Shire Horse und Clydesdale in sich, gelten aber als eigene Rasse und laufen wegen ihres Stockmaßes offiziell als Kleinpferd. Vom kompakten Ponytyp bis zum massigen Irish Cob ist innerhalb der Rasse alles vertreten.

Wie viel kostet ein Tinker?

Ein Tinker kostet meistens zwischen 3.000 und 12.000 Euro. Junge, unausgebildete Pferde sind günstiger, gut ausgebildete Reit- und Fahrpferde mit Papieren teurer. Dazu kommen die laufenden Kosten für Unterbringung, Hufbearbeitung und Tierarzt, die den Kaufpreis schnell übersteigen.

Sind Tinker Gewichtsträger?

Nein, Tinker sind keine Gewichtsträger, auch wenn ihr kräftiger Körper das vermuten lässt. Ihr Rücken ist oft weich und wenig tragfähig, weil sie als Zugpferde gezüchtet wurden und nicht zum Tragen. Mit gutem, gymnastizierendem Training lässt sich die Tragfähigkeit verbessern, gegeben ist sie nicht.

Wie alt werden Tinker?

Tinker werden in der Regel 25 bis 30 Jahre alt. Bei passender Fütterung, viel Bewegung und trockener Haltung erreichen sie auch ein höheres Alter und bleiben lange nutzbar. Verkürzt wird ihr Leben meistens nicht von der Rasse, sondern von Stoffwechselproblemen durch zu viel Futter und zu wenig Bewegung.

Hast du selbst einen Tinker oder überlegst du, dir einen ins Herz und in den Stall zu holen? Erzähl mir in den Kommentaren, welche Vorurteile dir begegnet sind und was dein Pferd dir über diese haarige, viel unterschätzte Rasse beigebracht hat.

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